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Cholin-haltige Lebensmittel auf einem Tisch

Was ist Cholin?

| Allgemein

Was ist Cholin und warum braucht unser Körper es? Erfahre mehr über die Funktionen von Cholin für Gehirn, Nerven und Zellmembranen sowie mögliche Quellen in der Ernährung.

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Autor: Ernährungsexperte Gerald Deuring
Lesezeit: ca. 5 min

Cholin – ein unterschätzter Nährstoff für Gehirn, Nerven und Zellmembranen

Cholin zählt zu den sogenannten vitaminähnlichen Substanzen. Früher wurde es sogar als Vitamin eingestuft. Heute weiß man, dass der menschliche Körper Cholin selbst herstellen kann – ähnlich wie Niacin aus der Aminosäure Tryptophan gebildet wird. Die körpereigene Produktion erfolgt aus der essenziellen Aminosäure Methionin. Dennoch bleibt Cholin ein wichtiger Nährstoff, da es zahlreiche Aufgaben im Organismus erfüllt.

Welche Funktionen hat Cholin im Körper?

Cholin ist an einer Vielzahl biologischer Prozesse beteiligt:

Bestandteil von Zellmembranen

Ein Großteil des Cholins liegt im Körper als Phosphatidylcholin vor, besser bekannt als Lecithin. Phosphatidylcholin ist ein zentraler Bestandteil aller Zellmembranen und trägt zu deren Struktur und Stabilität bei.

Vorstufe des Neurotransmitters Acetylcholin

Cholin wird für die Bildung von Acetylcholin benötigt. Dieser Botenstoff spielt eine wichtige Rolle bei der Signalübertragung zwischen Nervenzellen und ist unter anderem an Gedächtnis-, Lern- und Bewegungsprozessen beteiligt.

Methylgruppendonator

Darüber hinaus ist Cholin in Form von Betain am sogenannten Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel beteiligt und dient als Methylgruppendonator. Dieser Stoffwechselweg ist unter anderem für zahlreiche biochemische Reaktionen im Organismus relevant.

Cholin und die Gehirngesundheit

Besondere Aufmerksamkeit erhält Cholin im Zusammenhang mit der Gehirnfunktion und dem Alterungsprozess.

Eine Meta-Analyse von De Wilde und Kolleg:innen untersuchte die Nährstoffversorgung von Menschen mit Alzheimer-Krankheit. Im Vergleich zu gesunden älteren Personen wurden niedrigere Cholinspiegel sowohl im Blut als auch im Liquor (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit) festgestellt. Darüber hinaus waren auch andere Nährstoffe wie Vitamin B12, Folsäure, Vitamin C, Vitamin D, Vitamin E, DHA, EPA und Selen vermindert.

Wichtig ist jedoch die Einordnung: Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen niedrigeren Nährstoffspiegeln und Alzheimer, kann aber nicht belegen, dass die geringeren Werte die Ursache der Erkrankung sind. Die Autor:innen weisen ausdrücklich darauf hin, dass bislang nicht geklärt ist, ob eine Supplementierung die Nährstoffkonzentrationen im Gehirn erhöhen kann oder ob dies Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf hätte.

Wie viel Cholin nehmen wir auf?

Walnüsse Foto

Cholin kommt natürlicherweise in vielen Lebensmitteln vor. Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass die tägliche Aufnahme bei etwa 300 mg liegt.

Interessant ist dabei, dass Lecithin häufig als Cholinquelle genannt wird. Allerdings besteht beispielsweise Sojalecithin nur zu rund 22 % aus Phosphatidylcholin. Der Begriff „Lecithin“ beschreibt nämlich meist ein Gemisch verschiedener Phospholipide und nicht ausschließlich die cholinhaltige Verbindung.

Welche Lebensmittel enthalten Cholin?

Zu den cholinreichen Lebensmitteln zählen unter anderem:

  • Eier
  • Leber und Innereien
  • Fleisch und Geflügel
  • Fisch
  • Milchprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse
  • Sojaprodukte

Insbesondere Eigelb gilt als eine der bekanntesten natürlichen Cholinquellen.

Ist Cholin ein essenzieller Nährstoff?

Obwohl die Cholinzufuhr teilweise niedriger ausfällt als früher angenommen, wird die körpereigene Synthese beim gesunden Menschen derzeit als ausreichend angesehen. Dies hängt auch mit der in westlichen Ländern üblichen proteinreichen Ernährung zusammen, die ausreichend Methionin für die körpereigene Bildung bereitstellt.

Dennoch bleibt Cholin ein faszinierender Nährstoff, da er sowohl für die Zellstruktur als auch für die Nervensignalübertragung und verschiedene Stoffwechselprozesse von Bedeutung ist.

Fazit

Cholin ist eine vitaminähnliche Substanz mit wichtigen Funktionen für Zellmembranen, Nervensystem und Stoffwechsel. Als Bestandteil von Phosphatidylcholin trägt es zur Struktur aller Körperzellen bei und dient gleichzeitig als Vorstufe des Neurotransmitters Acetylcholin. Obwohl der Körper Cholin selbst bilden kann, wird das Thema insbesondere im Zusammenhang mit Gehirn- und Gedächtnisfunktionen intensiv erforscht. Die aktuelle Studienlage zeigt interessante Zusammenhänge zwischen niedrigen Cholinspiegeln und neurodegenerativen Erkrankungen, lässt jedoch noch keine Rückschlüsse auf einen Nutzen einer gezielten Supplementierung zu.

Häufige Fragen zu Cholin

Ist Cholin ein Vitamin?

Cholin wurde früher den Vitaminen zugerechnet. Heute gilt es als vitaminähnliche Substanz, da der Körper Cholin selbst in begrenztem Umfang herstellen kann.

Kann der Körper Cholin selbst herstellen?

Ja, der menschliche Körper kann Cholin aus der essenziellen Aminosäure Methionin bilden. Die körpereigene Produktion deckt jedoch nicht immer die gesamte Zufuhr ab.

In welchen Lebensmitteln kommt Cholin vor?

Besonders viel Cholin steckt in Eiern, Leber, Fleisch, Fisch, Milchprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Sojaprodukten.

Welche Aufgaben hat Cholin im Körper?

Cholin ist Bestandteil von Zellmembranen, dient als Vorstufe des Neurotransmitters Acetylcholin und ist an verschiedenen Stoffwechselprozessen beteiligt.

Was ist Cholin?

Cholin ist eine vitaminähnliche Substanz, die der Körper in begrenztem Umfang selbst herstellen kann. Es erfüllt wichtige Funktionen für Zellmembranen, Nervensystem und Stoffwechsel.

Quellen

Biesalski H, Grimm P, Nowitzki-Grimm S. Vitaminähnliche Substanzen: Cholin und Inositol. In: Biesalski H, Grimm P, Nowitzki-Grimm S, Hrsg. Taschenatlas Ernährung. 8. vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.

De Wilde MC, Vellas B, Girault E, et al. Lower brain and blood nutrient status in AD: Results from meta-analyses. Alzheimers Dement (N Y). 2017;3:416–431. DOI: 10.1016/j.trci.2017.06.002.